Mahamoda Yassin: »zum Schauen bestellt….«

Kontraste. Die Farben kräftig, unverfälscht. Rot ist Rot. Eindeutig? Yassin mischt seine Farben nicht, bleibt bei Grundtönen, überlässt es dem Betrachter sich auf die Zwischentöne einzulassen. Versteht man aber die Sprache der Bilder, weiß man das Rot, das Schwarz, Weiß zu deuten, die Zeichen zu lesen, dann beginnen die Farben zu sprechen, nehmen die primitiv anmutenden Figuren, Symbole Gestalt an und gewinnt jeder willkürlich scheinende Pinselstrich an Profil und: Farbe!

Bearbeitet werden Impressionen der Gegenwart wie der Vergangenheit, Erfahrungen von hier und von dort. Verarbeitet werden Eindrücke von Deutschland, Köln, Ehrenfeld, Paris, Dschibuti und Eritrea. Der minimalistische Ansatz ist zwingender Befreiungsschlag gegen die Eindrucksflut der Außenwelt, Reduktion als Verklärung und Erklärung. Kunst ist die Freiheit. Und in diesem Moment auch Mittel zur Kommunikation, wenngleich codiert und nur dem verständlich, der das Gespräch sucht, der sich einlässt auf die Unterhaltung, zuhören, zuschauen kann. Dem öffnen sich Yassins Weltansichten und damit dessen Welt, sein Leben.

Die Subtilität der Abbildung der realen Welt mit malerischen Mitteln findet ihre Ergänzung in der scheinbar einfachen Gegenständlichkeit von Schriftzeichen: Bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, generalisierter Strichcode, bedient sich Yassin des Mittels der Schrift und führt die Kulturleistung des alphabetischem Zeichens wieder in der Urzustand zurück, minimalisiert, reduziert und doch aussagekräftig überladen. Grundlage der Zeichen ist hier das äthiopische, dort das arabische Alphabet und, in wunderbarer Weise das Gesagt unterstreichend: Abstraktion der Abstraktion, eine der Notwendigkeit zur Codierung entsprungene Chiffre, der sich die E.L.F. während des Krieges bediente.

Treffen aber Weltansichten verschiedener Kontinente und Kulturen zusammen, so lässt sich auch der Code, die Symbolik nicht immer unmittelbar entschlüsseln, so verschwimmt die Bedeutung der Farben, und Zeichen, changierend zwischen europäischer und äthiopischer Tradition.

Vite

Mahamoda Yassin

Geboren am 05.11.1964 in Tio, Äthiopien (heute Eritrea). 1981 – 1985 Aufenthalt in Sudan, Yemen, Dijebouti und Frankreich. Seit 25.07.1985 in Deutschland. Seit 1992 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

26. März - 30. April


VERNISSAGE: 26. März 2016 – 15 UHR
FINISSAGE: 30. April 2016 – 15 UHR